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Klassiker und Absichtslosigkeit

 
Nach einer anregenden Unterhaltung mit Daniel, in der es um die 'Tai Chi Klassiker' ging, dachte ich über einen Bestimmten Satz nach, über den Daniel und ich etwas unterschiedliche Auffassungen hatten. Und zwar über den Satz, der besagt: "Ich allein sehe den Gegner, aber der Gegner sieht mich nicht."
 
Daniel inspirierte mich dazu 'mich von den Klassikern freizumachen', da es vielmehr um die eigenen Erfahrungen gehe als um solche 'Rezepte', und dieser Satz aus einer anderen Zeit mit anderen gesellschaftlichen (Über-)Lebens-Anforderungen stammt. Da es mir jedoch sehr viel Spaß macht, mit Erkenntnissen und Perspektiven zu experimentieren machte ich mir noch einige Gedanken zu diesem Satz, in der Hoffnung eine Art von Verständnis zu finden, die Frieden fördert und kultiviert.
 
Dabei erinnerte ich mich, diesem Satz schonmal in einer etwas anderen Übersetzung begegnet zu sein.
 
Die Version über die ich mit Daniel sprach liest sich in etwa so:
"The opponent doesn't know me; I alone know him."
"Der Gegner kennt mich nicht; ich allein/aber kenne Ihn."
 
Die Übersetzung die mir dann in Erinnerung kam, liest sich eher so:
"I, who sees everyone, who is seen by no one"
"Ich, der jeden sieht, der von niemandem gesehen wird"
 
Eine sehr ähnliche Formulierung kenne ich wiederum aus der indischen Mythologie. In ihr wird das 'Brahman', das Ungeschöpfte, das Abstrakte, nicht manifestierte Potential auf ungefähr folgende Weise beschrieben: "Das Brahman, welches überall vorhanden ist, alles durchdringt und doch nirgendwo gefunden werden kann."
 
Und mit dieser Verknüpfung kam mir dann eine Idee, die mein Herz erfreut: Das Gegenüber kennt mich nicht, denn auch ich kenne mich nicht. Wir sind Beobachter. Wir sind uns unbekannt und entdecken uns in jedem Moment des Erlebens ständig neu. Ohne Selbstbild und ohne Plan sind wir absichtslos, aber auch wahrnehmend und darin können wir uns 'gleichen'.
 
Seitdem ist dieser Satz aus den Klassikern für mich eine Hommage an die Absichtslosigkeit.
Und auch in der Kampfkunst heißt es ja gern, der schwierigste Gegner sei man selbst...
 
 Vielen Dank an Daniel und an meine Mitschüler..

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