Übungstagebuch

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Ein Übungstagebuch, wie ich es hier beschreibe, kann das Üben sehr fruchtbar verändern.

Tai Chi Übende durchlaufen oft tiefe, zugleich aber auch flüchtige Erfahrungen. Während der Form sind sie sehr deutlich. Nach der Form verhalten sich diese Erlebnisse wie Träume. Sie kommen aus einer anderen Welt und bleiben nur als vage Erinnerung an etwas Schönes oder Interessantes.

Beim Träumen kann man ein Traumtagebuch führen und so lernen seine Träume besser zu erinnern und in das Leben mit einzubinden. Ähnlich funktioniert ein Übungstagebuch.

Wer ohnehin regelmäßig Tagebuch führt, dem empfehle ich dieses Buch zu benutzen. Es hat den Vorteil, dass es schon einen Platz hat in Deinem Leben, dass Du weißt wo es liegt und gewohnt bist regelmäßig hineinzuschreiben. Wenn Du kein Tagebuch hast, kauf Dir ein geeignetes Übungsbuch das Du möglichst immer bei Dir hast. Im Tagebuch würdest Du Dein Übungstagebuch deutlich sichtbar von dem sonstigen Tagebuch absetzen, z.B. durch neue Zeilen:

Tai Chi Form:
Übung:
Meditation:

Dann schreibst Du direkt nach der Form, Übung oder Meditation in nur wenigen Worten auf, was Du soeben erlebt hast. Wenn Du auch nur wartest bist Du aus dem Park wieder zu hause bist, ist es wie bei den Träumen, sie haben sich verflüchtigt.

Der Zweck dieses Textes ist ausschließlich, dass Du bei Deinem nächsten Üben, wieder dort ansetzen kannst, wo Du das letzte Mal aufgehört hattest. Erfahrungsgemäß beginnen Tai Chi Übende, die in das Bergwerk der inneren Arbeit einfahren, jedes Mal wieder ganz von vorne. Mit Hilfe Deiner kurzen Übungsnotiz, kannst Du beim nächsten Üben genau dort im Stollen beginnen, woDu zuletzt aufgehört hattest.

Eine solche Notiz könnte z.B. so aussehen:
Tai Chi Form:
*    Im Stehen vor der Form habe ich nach einer Weile plötzlich das innere Fließen hören können. Ein murmelndes Plätschern. Ich habe das zum ersten Mal gehört. Ich war überrascht. Es war sehr schön.
*    Während der Form bin ich zu schnell geworden. Bei der schwierigen „Peitsche“ habe ich das gemerkt und bin dann wieder langsamer geworden. Es war schön mich plötzlich wieder zu spüren, anstatt die Form wie einen Job zu machen.
*    Ich will das „Schulter Schlucken“ bei der „Peitsche“ noch mal üben. Ich kriege es ganz gut hin, merke aber dass ich dabei ins Hohlkreuz falle.

Das Ganze könnte aber auch noch viel kürzer sein:
Tai Chi Form:
*    Plätschern!
*    Langsam!
*    Nächstes Mal „Schulter schlucken“ üben. Hohlkreuz.

Es reicht also, dass Du selbst beim nächsten Mal verstehst was Du Dir sagen wolltest. So eine schöne Erfahrung wie das Plätschern kann sehr beglückend sein. Wenn so etwas aus Deinem Üben heraus entsteht, ist das eine Übersetzung Deines Körpers für Dein Bewusstsein. Du kannst auf diese Weise etwas erleben, das in ihm stattfindet. Es ist also mehr als nur eine angenehme und zufällige Überraschung. Es kann der Beginn eines fruchtbaren Fühl-Gespräches mit Dir selbst sein.

Allerdings ist es auch gut möglich, dass Du Dich beim nächsten Mal einfach nicht mehr daran erinnern würdest. Du wärest mit etwas anderem beschäftigt und würdest dieses Plätschern möglicherweise nie wieder zu hören bekommen. Mit Hilfe Deines Übungstagebuches wirst Du jetzt aber, jedes Mal direkt bevor Du übst noch einmal nachlesen was Du zuletzt gemacht hattest, um dort fortfahren zu können. Mein eigenes Üben ist durch mein Übungstagebuch sehr bereichert worden.

Daniel Grolle
Oktober 2008