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In Memoriam

Christel ist gestorben

Sie war eine kleine, große Frau die die Menschen liebte und von den Menschen geliebt wurde. Sie hat uns mit Leichtigkeit bewegt und die Gabe zu Bewegen an uns weiter gegeben.

Christel kenne ich noch aus meinen Kindertagen inmitten ihrer ungewöhnlichen Familie. Sie lebten in einem Bungalow in Bremen. Das erste Haus ohne Dach und nur aus Fenstern das ich erlebt habe. Dort gab es eine frei schwebende Treppe, einen Stuhl, der nur aus einem großen Ledersack voller leichter Kugeln bestand. Das Haus strahlte Wohlstand, Internationalität, Sinnlichkeit und Intellekt aus. Es war modern, vieles davon schien geheimnisvoll und manche Dinge, die ich für verboten hielt, gehörten dort ganz selbstverständlich zum Alltag. Ich erlebte Christel und ihren Ehemann als ebenbürtige Freimenschen.

Es hieß die Familie habe ein Geheimnis: Es würde nie gestritten werden. Wie ich später erfuhr hieß das familienintern „die Diktatur der guten Laune“. In ihren schlechten Zeiten, so erzählte Christel mir, habe sie sich ins Badezimmer eingeschlossen und mit den Fäusten auf das Waschbecken eingetrommelt.

Sie erlebte in tiefen leidenschaftlichen Zügen den Krieg, die Liebe, das Studium, den Wiederaufbau, Familie, Kinder und bürgerlichen Wohlstand. Ebenso aber auch die Revolte der 68er und schließlich eine wilde, verbotene Liebe zwischen ihr, damals 50-jährig und einem jungen Wilden von unglaublichen 18 Jahren. Sie flohen vor der Familie, den Vorurteilen und vielleicht auch den Folgen ihrer Liebe nach Asien, das sie fast ohne Geld und ohne eine Idee von Zukunft für eine Zeit außerhalb der Zeit bereisten.

Christel ging dort morgens um 7:00 Uhr zu ihrem chinesisch Unterricht. Dabei kamen ihr gutgelaunte Menschen aus allen Richtungen entgegen. Als Christel einen dieser wohlaussehenden Menschen fragte woher sie alle kämen, antwortete der sehr chinesisch: „Steh früher auf und sieh selbst nach.“

Als sie sich tags darauf zwei Stunden früher auf den Weg machte, sah sie von weitem zwischen den Bäumen des Parks Menschen seltsame, langsame Bewegungen ausführen. Christel erzählte mir, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Noch bevor sie  wirklich erkennen konnte, was sie da sah, hatte ihr Herz ja zu einer Leidenschaft gesagt, die den Rest ihres Lebens bestimmen sollte.

Tai Chi hieß diese damals in Deutschland vollkommen unbekannte Kunst. Unter den vielen Lehrern im Park entdeckte sie einen Koch und ehemaligen Schüler des Genies und Sonderlings Cheng Man Ching. Diesen Koch verehrte sie und lernte widerstandsfrei von ihm, obwohl er auf ihre Fragen immer nur antwortete „denk selber nach“ und sie als besonderes Zeichen seiner Anerkennung in den Staub stieß. Christel nahm all das damals als Ausdruck einer fremden geheimnisvollen Welt in sich auf.

Ihre phantastische Liebe verglühte ebenso überwältigend plötzlich wie sie entstanden war. Doch kehrte Christel mit einer neuen Leidenschaft nach Deutschland zurück, die es ihr ermöglichte ihr eigenes Leuchten mit einem Handwerk zu verbinden, in dem das Leuchten zur selbst gestalteten Wissenschaft wurde.

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